Spektrum der Wissenschaft Warum verlieben wir uns? Wie verführt man einen Menschen? Was macht uns attraktiv? Macht Liebe blind? Ziehen Gegensätze sich an? Was passiert mit uns, wenn wir verrückt nach jemandem sind? Bas Kast, Wissenschaftsredakteur beim Berliner »Tagesspiegel«, schrieb alles auf, was die Wissenschaft an Antworten dazu bieten kann – und das ist erstaunlich viel. Oder wussten Sie, dass Frauen durch Einnahme der Pille einen veränderten Geruchssinn haben und plötzlich auf einen anderen Männertyp stehen? War Ihnen klar, dass weltweit alle Menschen im Kern das Gleiche wollen, wenn es um ihren Traumpartner geht? Von den Liebesforschern befragt, gaben Angehörige der verschiedensten Kulturen, Religionen und Schichten verblüffend ähnliche Antworten. Frauen suchen einen Mann, der einerseits gute Gene hat und andererseits ein treuer Ehegatte und fürsorglicher Vater ist. Wussten Sie, dass diese beiden Eigenschaften sich schon aus hormonellen Gründen widersprechen? In der Tendenz ist ein hoher Testosteronspiegel ein Zeichen für Stärke und Gesundheit, macht einen Mann aber gleichzeitig aggressiv und flatterhaft. Nachdem die erste Verliebtheit sich gelegt hat und eine lange Beziehung zu knirschen droht, treten Partnerforscher auf den Plan, beobachten die Paare und finden Verhaltensmuster, darunter die »fünf apokalyptischen Reiter«. So nennt Kast die typischen Vorboten einer Trennung: Kritik, Verteidigung, Verachtung, Rückzug und Machtdemonstration. An dieser Stelle geht Kast noch einen Schritt weiter: Aus den Ergebnissen leitet er eine Kampfstrategie gegen die apokalyptischen Reiter ab und entwickelt darüber hinaus eine Art Gebrauchsanweisung für die Liebe. Zuwendung, Wir-Gefühl, Akzeptanz, positive Illusionen und Aufregung im Alltag sind demnach die Schlüssel zum Erfolg. Schnödes Psychogelaber, das in der Realität gar nichts bringt? Nein, denn Kasts Rezepte sind wissenschaftlich abgesichert. So ergibt sich aus der Auswertung von Partnergesprächen, dass die Vermeidung geläufiger Fehler erlernbar ist und eine Beziehung retten kann. Offen, zurückhaltend und mit einer großen Portion Humor bringt der Autor seine eigenen Erfahrungen in erfrischend lebhafter Sprache ein. Weder lässt er die Illusion aufkommen, Wissenschaft könne jeden Liebeskummer wegforschen, noch maßt er sich an, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Er gibt sogar zu: Auch er ist verliebt – und zwar bis über beide Ohren. Ein Universalrezept zum Glück hat auch Bas Kast nicht gefunden. Aber sein Buch bietet mehr als alle Illustrierten-Psychotests der vergangenen Jahre zusammen. In einer Zeit, in der es scheint, als hätten die Menschen zu lieben verlernt, macht dieses Buch Sinn.
|
 |
|